Parteireferenzen Elefantenrunde #BTW17

Die Wahl gelaufen, die Sondierung schleppend. Sascha Lobo fragt derweil, woran „die Medien“ wirklich schuld sind. Zur Elefantenrunde am Abend der Bundestagswahl wurde bereits viel geschrieben. Wirklich im Gedächtnis geblieben ist neben der dankbaren Feststellung Christian Lindners, Martin Schulz rede sich „um Kopf und Kragen“ nur der Kommentar von Joachim Herrmann dazu, dass sich in der Hälfte der Sendezeit „nur mit der AfD“ beschäftigt würde. Hier nochmal die ganze Szene: (ab Minute 40:25)

Herrmann insinuiert, die beiden öffentlich rechtlichen Sender hätten auf Grund ihrer Berichterstattung massiv zum Wachstum der AfD in der Wählergunst beigetragen, indem der Partei eine überproportional große Bühne geboten worden sein. Der Herrmann-Rant sollte im Verlauf der Wahlaufarbeitung zu einer breiteren Diskussion über die Rolle „der Medien“ im AfD-Komplex führen. Im Kern bleibt jedoch zunächst die Behauptung im Raum stehen, die AfD würde in der Elefantenrunde überproportional behandelt. Das gilt es zu überprüfen.

Nicht nur aus einem diffusen Interesse an der Präsenz der AfD sondern auch, weil dabei ebenfalls überprüft werden kann, wie selbstreferentiell die Gäste der Elefantenrunde auftreten. Wer spricht über wen? Wer bereitet wem durch die besonders häufige Nennung seiner Partei eine ungewollt große Bühne? Alles Fragen, die sich aus der Elefantenrunde ableiten lassen.

Hierzu wurde die Elefantenrunde entlang eines Schemas transkribiert und auf die Verwendung von Parteireferenzen untersucht. Es wurde gezählt, wie oft jeder Redner eine der am Tisch vertretenen Parteien beim Namen nennt, oder durch artverwandte Begriffsverwendung sich in seinem Redebeitrag eindeutig auf eine der Parteien bezieht.

Ein Beispiel: Angela Merkel sagt in ihrem Eingangsstatement (ab Minute 01:08) folgendes:

„Ich hätte mir sicherlich ein besseres Ergebnis gewünscht aber ich bin nicht enttäuscht. Ich danke erst mal den Wählerinnen und Wählern die uns ihre Stimme gegeben haben. Wir sind klar stärkste Kraft geworden, CDU und CSU so gemein . Das war eines unserer wichtigen Ziele. […] Und deshalb haben wir riesige Aufgaben vor uns. Gerade im Blick auch auf den Einzug der AfD in den Bundestag […].“

Diese Aussage wird übersetzt in je einen „Punkt“ auf das CDU, CSU und AfD Referenzenkonto von Angela Merkel in der Elefantenrunde. Sinngemäße Nennungen ergeben ebenfalls einen Punkt, also wenn ein Redner beispielsweise von „der Union“ spricht, dann landet jeweils ein Punkt auf dem CDU und dem CSU Referenzenkonto des jeweiligen Redners und so weiter. Das Ergebnis ist hier zu sehen:

Die Ergebnisse sind interessant, wenn auch nicht sehr überraschend. Der Einzug der AfD war am Wahlabend sui generis ein gesprächswürdiges Thema. Was jedoch auffällt, ist, wie unterschiedlich die Teilnehmer der Gesprächsrunde mit dem Thema umgehen bzw. wie viel Raum sie der AfD und anderen Parteien im Verhältnis zum Bezug auf die eigenen Standpunkte einräumen. Insbesondere Katja Kipping versteht es dabei offensichtlich, zu argumentieren ohne dabei explizit auf die Parteien / Positionen der anderen Gesprächspartner einzugehen. Hierzu sei jedoch gesagt, dass der Redeanteil von Frau Kipping deutlich geringer war, als der der anderen Gesprächspartner. Was weiterhin auffällt ist, dass die Linke bei allen anderen Gesprächspartnern relativ wenig Raum einnimmt. Einzig Jörg Meuthen bezieht sich in seinen Redebeiträgen deutlich auf die Linkspartei, wie auch auf die FDP. Das ist insofern interessant, als dass im Vorwahlkampf von Seiten der AfD sowohl im Lager der Liberalen (wertkonservative Wirtschaftsliberale), als auch im Lager der Linkspartei (Protestwähler) nach Stimmen gefischt wurde.

GanzeSendung

Über alle Redebeiträge gesehen nimmt die AfD mit 25% der Parteireferenzen eine prominente Position innerhalb der sog. Elefantenrunde ein. Dies ist sowohl dem eigentlichen Nachrichtenwert des Einzuges in den Bundestag zu verdanken, als auch der Auseinandersetzung der anderen Gesprächsteilnehmer mit der AfD. Zu denken geben sollte der Linken ihre geringe Präsenz innerhalb dieser Runde. Deutet sich hier bereits eine Marginalisierung der Partei innerhalb der politischen Klasse an?

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